Alle Jahre wieder kommt eines der bayrischsten Phänomene über uns. Ein Event, das gleichzeitig Volksfest, bayrische Hommage an sich selbst und, nicht zuletzt, hemmungsloses Besäufnis ist. Die Rede ist vom Oktoberfest in München, das sich dieser Tage zum 176. Mal jährt. Was jedoch ist das Oktoberfest und welche Fragen müssen dem Oktoberfest-Unkundigen auf jeden Fall beantwortet werden bevor er sich auf d’Wiesn wagen kann?
Was ist das Oktoberfest?
Nichts anderes als eine Kirmes im Spätseptember. Wobei, Kirmes ist untertrieben, denn in den letzten Jahrzehnten hat es sich zum größten Volksfest der Welt entwickelt und lockt Heerschar
en von Besuchern an. Sechs bis sieben Millionen pro Jahr können sich dem bunten bayrischen Treiben nicht entziehen und kaufen dafür extra Trachten, Lederhosen und natürlich das speziell für das Fest gebraute Starkbier. Ein ganzer Wirtschaftszweig befasst sich jedes Jahr mit dem Oktoberfest und das sehr erfolgreich, denn der Umsatz an Bier, Dirndls, Souvenirs etc. steigt jedes Jahr.
Seit wann gibt es das Münchner Oktoberfest?
Im Jahre 1810 wurde auf der Theresienwiese, damals vor den Toren Münchens ein Fest ins Leben gerufen, das man als den Vorläufer des heuteigen Oktoberfests ansehen kann. Damals wurde es zur Hochzeit des bayrischen Thronfolgers mit seiner Frau Therese ausgerichtet. Zu ihren Ehren erhielt die Wiese ihren Namen. In den folgenden Jahren wurde das Fest immer wieder wiederholt, wo bei es nach und nach seinen heutigen folkloristischen Charakter erhielt – denn zu Beginn seiner Geschichte war das Fest eher eine Inszenierung antiker Olympischer Spiele. Erst nach und nach wurden Pferderennen und Aschebahn getauscht gegen Bierkrug und Schuhplattler. Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben, dass zwischen 1810 und 2009 gut und gerne 199 Jahre liegen. Der Grund für das Ausfallenlassen verschiedener Feste liegt in Kriegen, Krankheiten und Königsabdankungen. So fielen 1813, 1870, 1914-1918, 1939-1945 die Oktoberfeste aufgrund von Kriegen aus. Mitte des 19. Jahrhunderts fiel es mehrere Male aufgrund von Choleraepidemien aus - insgesamt 24 Mal. Nichtsdestotrotz hat das Oktoberfest eine reiche Tradition entwickeln können.
Welche Traditionen gibt es auf dem Oktoberfest?
Einzigart machen das Münchner Oktoberfest einige Traditionen, die auf der ganzen Welt bekannt sind. So zum Beispiel der Einzug der Wiesnwirte, der seit 1887, als die Wiese noch vor den Toren Münchens lag, zelebriert wird. Traditionell wird dieser Einzug vom Münchner Bürgermeister und der Münchner Kindl angeführt. Der Einzug der Wiesenwirte dient vor allem dem Zweck, dass alle Wirte das Oktoberfest gleichzeitig beginnen und niemand aus der Reihe tanzt. Nach altem Brauchtum besteht der Zug Festwagen der Brauereien, Trachtenpräsentationen und prachtvoll geschmückte Pferde oder Pferdewagen.
Weiterhin ist der Anstich des ersten Bierfasses eine der wichtigsten Traditionen. Dabei sticht der Münchner Oberbürgermeister ein Bierfass an und ruft „O’zapft is“. Nach altem Brauch bekommt der Ministerpräsident (oder gegebenenfalls ein anderes bayrisches Staatsoberhaupt) die erste Maß. Danach folgen 12 Böllerschüsse als Signal an die Wiesnwirte, dass das Oktoberfest eröffnet ist. Jedes Jahr schließen die Menschen Wetten ab, wie viele Schläge der Bürgermeister brauchen wird, um das erste Fass anzustechen. Der derzeitige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hält den Rekord mit zwei Schlägen. Es wurden allerdings auch schon 19 gebraucht.
Auch ist der legendäre Trachtenumzug, der seit 1835 begangen wird, hat sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte zu einer festen Größe entwickelt. Dabei werden nicht nur bayrische Trachten vorgeführt, sondern auch mehr und mehr internationale Volksbekleidung. Diese Tradition geht ebenfalls auf König Ludwig und seine Frau zurück. Anlässlich ihres 25. Hochzeitstages wurde der Trachtenumzug ins Leben gerufen. Seitdem findet jedes Jahr am ersten Wiesnsonntag einer der größten Trachten- und auch Schützenumzüge der Welt. Bis zu 8000 Teilnehmer marschieren dabei durch München und das Oktoberfest.
Eine weitere, eher unrühmliche, Tradition ist das Bierkrug klauen. Gerade in den 80er und 90er Jahren kam diese Sitte auf, die die Wirte fast zur Verzweiflung trieb. Heutzutage sollte man sich allerdings jeden Diebstahl zwei Mal überlegen, denn jeder geklaute Bierkrug ist kein Kavaliersdelikt sondern wird zur Anzeige gebracht. Wer trotzdem einen Bierkrug möchte, kann einen solchen originalen Oktoberfestbierkrug natürlich auch ordnungsgemäß ersteigern.
Welche Zahlen und Fakten muss ich kennen?
Das Oktoberfest ist das größte seiner Art auf der Welt. Etwa 6,5 Millionen Menschen besuchen es jedes Jahr. Allein im Jahr 2007 wurden 200.000 Bierkrüge entwendet. Vor allem Amerikaner und Asiaten zeigen sich vom volkstümlichen Treiben begeistert. Im Schnitt trinkt jeder Wiesnbesucher 1,1 Maß Bier, was einem Verbrauch von 6,7-7 Millionen Maß entspricht. Die Besucherzahlen und der Bierverbrauch sind seit etwa 15 Jahren konstant. Trotzdem macht das Oktoberfest vor allem mit bayrischer Küche, Fahrgeschäften und Souvenirs jedes Jahr ein Plus von 5-10 Prozent. Insgesamt liegt der Umsatz bei etwa einer Milliarde Euro – Tendenz steigend.
Kuriose Statistiken hat das Oktoberfest natürlich auch zu bieten. So musste die Zahl der Toilettenhäuschen 2007 um 20 Prozent erhöht werden, nachdem die 185 bestehenden Häuschen so überfüllt waren, dass die Polizei den Toilettenverkehr regeln musste.
Der Stromverbrauch während der Wiesn beträgt 13 Prozent des Münchner Gesamtbedarfs. Insgesamt sind das 2,7 Millionen Kilowattstunden verteilt auf 43 Kilometer Kabel und gut ein Dutzend Transformatoren, die teils sogar unterirdisch, eigens für das Oktoberfest, installiert wurden.
Soll ich zum Oktoberfest gehen?
Das ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Wenn man bayrische Gemütlichkeit und bayrisches Brauchtum mag, dann sollte man auf jeden Fall gehen, denn nichts, so scheint es, ist bayrischer als das Oktoberfest. Aber auch für jene, die nur eine gute Kirmes besuchen wollen, ist das Oktoberfest ein e spektakuläre Kulisse. Fahrgeschäfte, Kuriositäten und Leckereien locken nicht nur Bayerninteressierte an. Auf jeden Fall sollte man es einmal ausprobiert haben, denn 6 Millionen Besucher jedes Jahr können doch nicht irren. In diesem Sinne „Prost“ und nicht vergessen, die Maß zu halten.

















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